FernUni Hagen: Prüfungsformen, KI & ChatGPT in der Lehre – Interview mit Dr. Bils & Dr. Biederbeck

Das „Zentrum für Lernen und Innovation“ (ZLI) an der FernUniversität in Hagen ist eine Serviceeinrichtung, die Lehrende und Studierende unterstützt und Innovationsprozesse im Rahmen des mediengestützten Blended-Learning-Modells der Universität fördert. Es koordiniert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bereichen und begleitet Lehrende bei der Planung und Durchführung von Lehr-Lern-Settings.

Für Studierende entwickelt das ZLI Angebote zur Unterstützung ihrer individuellen Bildungsziele im Fernstudium. Dazu gehören vor allem studienbegleitende Angebote und die Konzeptionierung zielgruppenorientierter neuer Angebote.

Wie schätzt das ZLI unterschiedliche Prüfungsformen im Fernstudium ein? Und welche studienbegleitenden Angebote macht die FernUni Hagen, um Studierende zu unterstützen?

In Podcast 25 zu Gast sind Dr. Annabell Bils, Geschäftsführerin sowie Bereichsleiterin für Lehr-Lern-Innovation am ZLI, und Dr. André Biederbeck, Bereichsleiter für Kompetenzentwicklung Lehren & Lernen am ZLI.

Im Gespräch mit Christian erörtern sie außerdem aktuelle Entwicklungen und Einschätzungen zum Thema KI, ChatGPT und Co. an der FernUni.

Inhalt:

00:00:00 Schönen guten Tag
00:01:21 Dr. Bils, Dr. Biederbeck & das ZLI stellen sich vor
00:04:42 Prüfungsformen: Klausuren
00:11:23 Prüfungsformen: Open Book Klausuren
00:13:16 Prüfungsformen: Hausarbeiten
00:18:03 Prüfungsformen: Mündliche Prüfungen
00:21:35 Prüfungsformen: Einsendeaufgaben
00:25:01 Studienbegleitendes Angebot: Präsenzveranstaltungen
00:29:32 Studienbegleitendes Angebot: Brückenkurse
00:32:22 Studienbegleitendes Angebot: Wissenschaftl. Arbeiten
00:35:56 Studienbegleitendes Angebot: Wissenschaftl. Schreiben
00:38:38 Studienbegleitendes Angebot: Fremdsprachen
00:41:07 KI, ChatGPT & Co. im Studium: Nutzung von Künstlicher Intelligenz
00:45:41 KI, ChatGPT & Co. im Studium: Chatbots, Sokratische Methode & Monitoring
00:52:25 KI, ChatGPT & Co. im Studium: Lernen & Kognitive Leistung mit KI
00:55:33 KI, ChatGPT & Co. im Studium: Learning Analytics
01:00:24 KI, ChatGPT & Co. im Studium: Jobs & Technologieabhängigkeit
01:05:59 KI, ChatGPT & Co. im Studium: Nachhaltigkeit & Qualität der Lehre

Die Gäste im Internet:

➡️ Dr. André Biederbeck auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-andre-biederbeck-9220b7286/
➡️ Website von Dr. Annabell Bils: https://diestaendigereise.de
➡️ Dr. Annabell Bils auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/annabellbils

Im Podcast erwähnt:

👉 ZLI der FernUni Hagen: https://www.fernuni-hagen.de/zli/
👉 Infos zu den Prüfungen an der FernUni https://www.fernuni-hagen.de/studium/fernstudium/pruefungen.shtml
👉 Studienbegleitende Angebote der FernUni: https://www.fernuni-hagen.de/studium/studyfit/angebote/index.shtml
👉 Gesamtes Studienangebot der FernUni Hagen + Bewertungen: https://www.fernstudi.net/fernhochschulen/fernuni-hagen

Christian: Dann herzlich willkommen Ihnen beiden hier im Podcast auf fernstudi.fm! Vielleicht stellen Sie sich beide erstmal nacheinander ganz kurz vor, und es wäre noch schön, wenn einer von Ihnen uns noch kurz erklärt, was genau das Zentrum für Lernen und Innovation ist. Fangen Sie vielleicht mal an, Frau Bils.

Bils: Ja, vielen Dank. Mein Name ist Annabel Bils und ich bin die Geschäftsführerin hier im Zentrum für Lernen und Innovation. Das Zentrum ist eine zentrale Betriebseinheit der FernUniversität in Hagen, und wir sind eine Serviceeinrichtung für Lehrende und Studierende. Das ist so ein bisschen wie ein hochschuldidaktisches Zentrum, aber dadurch, dass wir eben diesen großen Teil auch Medienproduktion haben und eben die Angebote für Studierende, geht es über die reine Hochschuldidaktik hinaus und bietet grundsätzliche Services und Dienstleistungen für Lehrende und Studierende an. Können wir auch gleich vielleicht noch mal drüber sprechen im Einzelnen.

Bils: Ich selber bin seit anderthalb Jahren hier Geschäftsführerin, komme aus der Mediendidaktik. Ich habe mal Erziehungswissenschaften studiert und bin nächstes Jahr 20 Jahre an der FernUni, aber in so einer Hop-on-hop-off-Beziehung mit unterschiedlichen Positionen. Ich war mal Lehrstuhlvertreterin, war mal Studiengangskoordinatorin, dann war ich mal Referentin der Rektorin für Digitalisierung, und jetzt bin ich im ZLI auch gut angekommen. Ich gebe mal weiter an meinen Kollegen Herrn Biederbeck.

Biederbeck: Ja, André Biederbeck. Ich arbeite auch am Zentrum für Lernen und Innovation an der FernUniversität und bin jetzt seit fast viereinhalb Jahren in Hagen tätig. Habe dort von Anfang an die Aufgabe gehabt, studienbegleitende Angebote für Studierende zu entwickeln. Relativ bald hieß es dann, das soll in einem neuen Zentrum verankert werden, zusammen mit Angeboten für Lehrende. Und inzwischen leite ich jetzt den Kompetenzbereich für Lehren und Lernen. Dahinter verbirgt sich einerseits die Hochschul- und Mediendidaktik, also die Angebote für Lehrende, wie kann ich meine Lehre noch besser aufstellen, um es kurz in einem Satz zusammenzufassen. Und die Angebote für Studierende, über die wir ja sicherlich gleich noch sprechen werden.

Biederbeck: Ich bin eigentlich von Hause aus Historiker, habe an verschiedenen Präsenzuniversitäten gearbeitet nach meiner Promotion, habe da sehr viele Aufgaben gehabt, die sich rund um Studium und Lehre drehen, und bin dann letztendlich an der FernUniversität vor viereinhalb Jahren gelandet. Und muss sagen, dass mir das weiterhin sehr gut gefällt, auch wenn ich anfangs mal gedacht habe, Fernlehre, das ist doch irgendwie ganz anders, ist das was für dich. Und darüber werden wir denke ich jetzt auch gleich sprechen, was so das Spezifische einer FernUniversität dann ist.

Christian: Ja, vielen Dank Ihnen beiden für die Vorstellung. Wir haben uns das jetzt so überlegt, dass wir die FernUni so ein bisschen vorstellen, also dass Interessenten auch ein Überblick darüber bekommen, wie läuft so ein Studium ab, vor allem wie laufen auch die Prüfungen ab an so einer Hochschule im Fernstudium. Und wir vermischen das aber so ein ganz kleines bisschen auch mit Diskussionen im Prinzip über Vor- und Nachteile, jetzt beispielsweise bei den Prüfungsformen. Damit fangen wir jetzt mal an. Schauen wir uns erstmal die Klausur an, der Klassiker eigentlich im Studium, das wovor viele Studierende auch mal so ein bisschen Angst haben. Klausuren, wie läuft denn das an der FernUni? Gibt's da schon Online-Klausuren mittlerweile, ist es Standard, oder geht man da immer noch irgendwo auf den Campus? Wie kann man sich das vorstellen?

Bils: Klausuren sind sozusagen das diverseste Angebot an Prüfungsform, weil es da wirklich alle möglichen Formen und Formate gibt. Die klassische Klausur ist so, dass die Paper-Pencil geschrieben wird, an unseren Campusstandorten oder in Hörsälen anderer Hochschulen. Das war vor Corona vor allen Dingen das große Thema, als einfach die Online-Klausur noch nicht so eine Relevanz hatte. Inzwischen gibt es einen großen Anteil, sogar würde ich sagen den überwiegenden Anteil an Klausuren, die online geschrieben werden. Und da gibt es auch die unterschiedlichsten Ausprägungen, von Klausuren, die zu Hause geschrieben werden, von Klausuren, die vor Ort geschrieben werden. Es gibt zum Beispiel in der Psychologie die Möglichkeit, die Prüfung auf iPads zu schreiben. Das heißt, man fährt dann schon in ein Regionalzentrum, legt da die Prüfung aber auf einem elektronischen Gerät ab, sodass man quasi kein Papier einscannt. Es gibt aber auch tatsächlich die Möglichkeit, Papierklausuren zu schreiben, die dann wiederum als Papier hochgeladen werden und online abgegeben werden. Also da gibt es wirklich sehr, sehr viel Varianz und Spielraum, und das ist immer so ein bisschen abhängig von den einzelnen Fächern und Modulen und auch von den einzelnen Lehrenden, was die jeweils anbieten wollen. Aber ich würde sagen, im Moment ist tatsächlich die Online-Klausur schon etwas, was stark gewachsen ist und was jetzt auch schon sehr verstärkt angeboten wird.

Christian: Und ein Vorteil bei der Klausur ist ja eigentlich, auch aus meiner Sicht, dass die Bewertung ein bisschen einfacher ist als jetzt beispielsweise bei der Hausarbeit. Das geht alles ein bisschen schneller. Da setzt man sich dann als Lehrkraft hin, muss teilweise abhaken oder die offenen Fragen ein bisschen genauer durchschauen. Gibt's da, wenn wir jetzt schon beim Thema Innovation in der Lehre sind, gibt's da irgendwie Möglichkeiten, das heutzutage schon maschinell zu machen?

Bils: Das ging aber an der FernUni auch schon lange. Also es gab schon immer die Möglichkeit, auf so standardisierten Bögen die Klausur zu schreiben. Die wurden eingescannt und automatisiert ausgelesen. Das hieß LZE, und diese LZE-Klausuren wurden immer schon sehr, sehr schnell zurückgegeben. Das ging aber nur mit Multiple-Choice-Klausuren. Immer wo natürlich irgendwelche Texteingaben nötig waren, da hat's dann natürlich länger gedauert. Und das ist natürlich total der Vorteil von Online-Klausuren.

Bils: Und aus studentischer Sicht gedacht ist die Online-Klausur auch deswegen vorteilhaft, weil bei uns die Studierendenschaft sehr, sehr heterogen ist. Die meisten sind berufstätig, die meisten haben andere Verpflichtungen, sei es Kinderbetreuung, Arbeit, was auch immer. Und für die ist es natürlich einfacher zu sagen, ich nehme mir mal Nachmittag vier Stunden Zeit und schreibe online meine Klausur zu Hause, als dass ich mir einen Tag Urlaub nehme, ein Hotel mir suche, dann zu dem Klausurort fahre, dann die Klausur ablege, abends wieder nach Hause fahre, mir Kinderbetreuung suchen muss und so weiter. Insofern ist es natürlich um die Flexibilität der Studierenden willen auf jeden Fall angenehmer, eine Online-Klausur zu schreiben. Und das ist auch gewünscht, und das nehmen die Studierenden auch in Kauf, selbst wenn es dann zum Beispiel so Sachen gibt wie Beaufsichtigung über Zoom. Das wird zum Beispiel gemacht in manchen Fächern, dass dann sozusagen die Studierenden ihren Bildschirm teilen während der Klausur, eine Kamera wird mitgeschnitten, was im Raum passiert. Und selbst das finden die Studierenden angenehmer, als sich zwei Tage freizunehmen für eine Klausur. Wir haben ja auch Studierende im Ausland, und für die haben wir früher die Möglichkeit geboten, dass man dann in ein Goethe-Institut fährt und dann da die Klausur schreibt. Jetzt ist es natürlich so, je nachdem in welchem Ausland ich bin und wie weit ich vom Goethe-Institut wegwohne, habe ich natürlich noch höhere Kosten für die Klausurteilnahme. Und das wird durch die Online-Klausur jetzt natürlich stark minimiert. Also gerade die Gruppe, die im Ausland sitzt und an der FernUni studiert, die profitieren noch mal stärker davon.

Christian: Herr Biederbeck, vielleicht können Sie uns noch einen Nachteil nennen. Also Klausuren sind ja schon vorteilhaft in dem Sinne, dass es einfach zu kontrollieren ist, gerade bei so einer großen Menge an Studierenden wie an der FernUni Hagen. Da gibt's auch Nachteile, die man nennen kann für Klausuren?

Biederbeck: Ja, also man muss natürlich schon sagen, in großen Fächern ist die Klausur erstmal das Mittel der Wahl in den ersten Semestern. Und was wir dann beobachten können, ist, dass sich das wissenschaftliche Schreiben natürlich erstmal nicht so als Kompetenz entwickeln kann. Und dann stehen Studierende so im höheren Semester, sagen wir mal fünftes Fachsemester, wenn man jetzt von Vollzeitstudium beispielsweise ausgeht im Bachelor, plötzlich vor der Frage: Ja, wie schreibe ich denn jetzt eine Hausarbeit? Und oh, das ist ja meine einzige Möglichkeit, um dann auf die Bachelorarbeit mich vorzubereiten. Und das ist finde ich schon ein großer Nachteil, den man überall da, wo Klausurfächer existieren, vorfindet. Und da werden wir ja gleich noch mal drüber sprechen, wie man trotzdem das wissenschaftliche Schreiben vielleicht schon mal ein bisschen anleiten kann.

Christian: Es ist halt häufig auch so in Klausuren, dass da mehr oder weniger sehr oberflächlich auswendig gelernt wird, nicht immer, aber so nach der Art, ich lerne das alles schnell auswendig und dann nach der Klausur habe ich es auch recht schnell wieder vergessen. Es gibt auch Hochschulen, da muss man wirklich sehr, sehr genau die Definitionen auswendig lernen, gerade wenn das dann auch noch maschinell überprüft wird. Und ich glaube, für viele ist auch ein Nachteil so der Druck, der mit so einer Klausur einhergeht, da irgendwie innerhalb von zwei, drei Stunden wirklich gezielt sein Wissen abrufen zu können. Prüfungsangst ist dann eben auch für manche so ein Nachteil bei dieser Prüfungsform.

Bils: Ja, das stimmt natürlich. Gleichzeitig ist es auch immer eine Frage des Prüfungsdesigns, ob man wirklich sagt, man prüft auswendig Gelerntes ab, oder selbst bei Multiple Choice kann man ja das Prüfungsdesign so gestalten, dass die Studierenden trotzdem zum Beispiel aus verschiedenen Antwortmöglichkeiten das Richtige auswählen müssen, nachdem sie aber zum Beispiel sich ein Konzept überlegt haben oder eine Berechnung durchgeführt haben. Es ist immer auch die Frage von der Prüfungsdidaktik, die da mit eine Rolle spielt. Und die kann natürlich von bis sein, da gibt's auch alle Varianten.

Christian: Da können wir vielleicht gleich mal über Open-Book-Klausuren reden. Das ist eigentlich aus meiner Sicht auch eine Form von Klausuren, die dem ein bisschen entgegenwirken, auch dieser Prüfungsangst. Bei der Open-Book-Klausur, wie ich das verstehe, darf man seine Lehrmaterialien nutzen. Gibt's sowas auch schon an der FernUni, und was darf ich da überhaupt für Materialien nutzen? Gibt's auch Einschränkungen?

Bils: Das ist dann jeweils in den Prüfungsordnungen festgelegt. Es kann zum Beispiel sein, dass in den Rechtswissenschaften Gesetzestexte benutzt werden dürfen, oder dass Taschenrechner benutzt werden dürfen in Mathematik, oder dass das Kursmaterial genutzt werden darf, wenn es darum geht, dass es eben nicht darum geht, alles nur auswendig gelernt zu haben, sondern dass man eben auch Sachen nachschlagen darf. Es ist aber auf jeden Fall nie erlaubt, frei im Internet zu recherchieren und dann einfach sich zum Beispiel über KI generierte Texte reinzuschreiben. Also eine Eigenständigkeitserklärung muss man trotzdem abgeben. Aber die Open-Book-Klausuren sind auch schon was, was sich durch Corona entwickelt hat und was auch einen hohen Stellenwert hat, also was auch häufig eingesetzt wird.

Christian: Okay, da umgeht man dann auch so ein bisschen das Problem mit Betrugsversuchen. Man darf natürlich dann trotzdem nicht im Internet recherchieren, das wäre zum Beispiel meine Vorstellung gewesen, ich kann da recherchieren, wo ich möchte. Also ich habe selber noch nie an so einer Klausurform teilgenommen, aber ich denke mal, das ist schon dann recht beliebt auch unter Studierenden, aber noch nicht so häufig, wie Sie sagen, auch an der FernUni noch nicht.

Bils: Genau, es ist halt trotzdem was anderes als eine Hausarbeit, wo man wirklich recherchieren kann und seine Ruhe hat. Man muss für eine Open-Book-Klausur trotzdem auch lernen, und man muss auch Hintergrundwissen haben, um zum Beispiel in den Rechtswissenschaften einen Fall bearbeiten zu können. Aber es ist doch noch mal wahrscheinlich vom Druck her für die Studierenden ein bisschen angenehmer, weil sie eben nicht das Gefühl haben, sie müssen sich jetzt alles gemerkt haben, sondern sie können auch mal nachschlagen.

Christian: Herr Biederbeck, Sie haben erzählt, dass Sie Geschichte studiert haben. Da ist ja auch so eine klassische Prüfungsform eigentlich die Hausarbeit. Geschichte ist auch viel Schreiben. Können Sie uns da ein bisschen was dazu sagen? Also Hausarbeiten, was gibt's da für Vorteile, was ist vielleicht auch weniger gut am Hausarbeiten-Schreiben?

Biederbeck: Ja, ich denke, erstmal ist die Hausarbeit, das Schreiben ist ja gleichzeitig auch das Denken. Und wenn ich selber mich mit wissenschaftlicher Literatur auseinandersetze, dann kann ich das ja in unterschiedlicher Art und Weise tun. Ich kann das im Prinzip nur passiv für mich rezipieren, oder ich muss es aktiv verarbeiten. Und beim Schreiben bin ich dazu ja gehalten, das aktiv verarbeiten zu müssen. Ich muss es ja irgendwie wiedergeben. Und ich glaube, das ist so der große Vorteil einer Hausarbeit, dass ich wirklich in das eigenständige Durchdenken kommen muss.

Biederbeck: Das ist etwas, was manchmal aber auch herausfordernd ist, weil natürlich diese wissenschaftliche Denkweise, angefangen von: Wie gebe ich jetzt wieder, dass ich diese Idee von jemand anderem habe, und zeige auf, dass es nicht mein eigener Gedankengang war? Bis hin zu der Frage: Wie viel Struktur braucht so eine Arbeit? Wie schaffe ich es, meine Gedanken so zu komprimieren, dass es auch wirklich nur auf 12 Seiten ist, mich nicht zu verfransen? Das sind natürlich Herausforderungen. Und insbesondere wenn ich so auf unsere Studierendenschaft gucke und mir anschaue, dass viele ja auch schon Schreiberfahrung aus ihrem Beruf haben, dann stoßen wir immer wieder vor das Phänomen, dass Studierende sagen: Ja, ich verstehe nicht, warum ich das jetzt hier anders machen muss als bei mir im Beruf. Und das ist glaube ich das, was so die Herausforderung für viele Studierende dann tatsächlich darstellt, sich zu lösen von den eigenen Schreiberfahrungen, die man gemacht hat. Kann auch bezogen sein auf die Schule, weil auch da schreibt man natürlich anders. Und das dann wirklich so über mehrere Semester hin auch zu entwickeln, also auch für sich selber zu akzeptieren, dass man nicht von Anfang an das vielleicht schon so kann, sondern, selbst wenn man sich als geübten Schreiber oder Schreiberin sieht, für sich zu akzeptieren: Okay, hier muss ich noch mal was Neues lernen. Ich glaube, das ist dann die Herausforderung bei einer Hausarbeit.

Christian: Und da bietet die FernUni ja auch Hilfe, da reden wir dann auch noch mal ein bisschen genauer drüber. Frau Bils, haben Sie vielleicht noch etwas, können Sie uns was zum Thema Plagiate sagen? Das hängt ja irgendwie auch mit Hausarbeiten zusammen. Ist es auch ein Thema an der FernUni? Tritt es häufiger auf, oder eher zufällig vielleicht, oder ganz bewusste Täuschungsversuche?

Bils: Da kann ich Ihnen keine Zahl zu sagen, aber ich weiß, dass es immer mal wieder vorkommt. Und wenn was auffällig ist, dann wird das natürlich geprüft. Da sind die Prüfungsämter auch diejenigen, die das durchführen. Ich kann Ihnen keine Zahl sagen, aber das kommt durchaus immer mal wieder vor. Ob das Versehen ist oder Absicht, kann man im Zweifelsfall nie richtig sagen. Es ist aber auf jeden Fall, sobald es nachgewiesen ist, ein Täuschungsversuch, und damit ist es eben leider dann auch nicht bestanden. Also das ist dann einfach so. Aber wie häufig das vorkommt, kann ich nicht genau sagen.

Bils: Es ist ja auch ein Unterschied, ob es darum geht, man plagiiert mal drei Sätze und vergisst da die Quelle anzugeben, als dass man jetzt ganze Seiten nimmt. Ich hatte selber den Fall, als ich hier als Lehrende an der Uni war, dass sogar die Schriftart an den Stellen, wo es plagiiert war, eine andere war als in dem anderen Text. Also das war sehr offensichtlich Absicht.

Christian: Ja, das ist dann auch heutzutage ein bisschen einfacher durch die Plagiat-Scanner sozusagen rauszufinden. Also ich weiß noch, zu meiner Studienzeit um 2003 rum, da war das eigentlich noch gar kein Thema, weil das auch einfach nicht so einfach nachzuvollziehen war wie heutzutage. Und heute haben viele Studierende aber auch Angst, aus Versehen irgendwas zu plagiieren. Da sollte man sich einfach ein bisschen damit beschäftigen, vielleicht auch mit den verschiedenen Formen von Plagiaten, Strukturplagiate beispielsweise. Und dafür ist es eben gut, diese Schreibangebote in Anspruch zu nehmen, weil es da ja auch um solche Sachen geht. Auch die Bibliothek bietet ja entsprechende Hilfestellung an, dass man eben nicht dieser Angst ausgesetzt ist, dass man aus Versehen plagiiert hat. Aber dem kann man ja auch gut vorbeugen mit entsprechender Vorbereitung.

Christian: Also Hausarbeiten waren für mich im Studium eigentlich mal so meine Lieblingsprüfungsform, da konnte ich in aller Ruhe in die Bibliothek gehen, recherchieren, lesen und schreiben. Das habe ich immer sehr gerne gemacht. Was ich nicht so gerne mochte, waren mündliche Prüfungen, da habe ich auch immer ganz schnell Blackout beispielsweise bekommen. Wie ist es an der FernUni Hagen, im Fernstudium läuft es ja ein kleines bisschen anders ab. Da kann ich jetzt nicht einfach jederzeit irgendwo an die Hochschule fahren und mir dort die Prüfung abnehmen lassen. Gibt's auch mündliche Prüfungen? Läuft das dann über Zoom, oder wie kann ich mir das vorstellen?

Biederbeck: Genau, also es ist auf jeden Fall so, dass die weitüberwiegende Zahl der mündlichen Prüfungen inzwischen online ist und man letztendlich auch Zoom sehr häufig antreffen wird, wenn man sich jetzt in eine mündliche Prüfung begibt. Aber es gibt halt auch andere Möglichkeiten. Das hängt letztendlich natürlich davon ab, was der Prüfer oder die Prüferin bevorzugt oder was auch die geprüfte Person vielleicht vorschlägt. Also das ist jetzt nicht normiert in dem Sinne. Es gibt auch die Möglichkeit, auf den Campus zu kommen oder sich im Campusstandort zu treffen. Das wird auch wahrgenommen, aber wirklich die häufigste Form ist die Online-mündliche-Prüfung.

Biederbeck: Und unsere Erfahrungen damit sind sehr positiv, weil die Studierenden natürlich in einem vertrauten Umfeld sich bewegen, nicht noch in einem Raum eines Dritten oder des Prüfenden dann sitzen und sich da erstmal irgendwie akklimatisieren müssen, sondern aus der gewohnten Atmosphäre heraus agieren können. Und wir bieten als ZLI teilweise den Lehrenden auch die Möglichkeit, dass sie zu uns ins Videostudio kommen können, um von dort aus dann die Prüfung zu machen. Das ist aber etwas, was auch nicht so häufig wahrgenommen wird, weil viele glaube ich selber auch als Prüfende wiederum es ganz angenehm finden, das aus ihrer gewohnten Umgebung heraus zu machen. Und ich glaube, da sind dann beide Seiten halt gleich gut aufgestellt, sie sind in ihrer eigenen Umgebung und können von da aus dann sehr authentisch auch so eine Prüfung bestreiten.

Bils: Und wir haben natürlich Studierende, die da auch Sorge haben vor mündlichen Prüfungen, und dafür gibt's auch extra dann noch mal Workshops, wo man das trainieren kann, auch im Online-Setting. Also wir haben uns da dann auch angepasst, dass die Studierenden tatsächlich das dann auch in der Situation so üben können, wie sie es dann hinterher in der Prüfung auch vorfinden würden. Zumindest sehr ähnlich, also eins zu eins nachstellen kann man sowas ja nie, weil die prüfende Person natürlich immer auch einen Einfluss darauf hat, wie eine Prüfung abläuft. Aber das hilft sicherlich, da ein bisschen mehr Entspannung reinzukommen.

Christian: Und ein Vorteil, den ich auch sehe bei mündlichen Prüfungen, ist ja, dass man sehr schnell Feedback auch bekommt und dass man aus Sicht der Lehrkräfte auch viel umfassender testen und prüfen kann, wie derjenige oder diejenige das Thema jetzt verstanden hat. Aber Sie wollten noch was sagen, Frau Bils?

Bils: Ich würde nur sagen, weil Sie gesagt haben, man kann da nicht einfach auf den Campus kommen: Das ist natürlich auch an Fristen gebunden. Die werden im Vorfeld bekannt gegeben, dass zum Beispiel Lehrende sagen, in den beiden Wochen biete ich mündliche Prüfungen an, und da kann man sich dann entsprechend drauf vorbereiten. Dass da irgendein zeitliches Fenster ist, es ist eben nicht was, was spontan passiert, sondern was eben auch wirklich geplant werden kann. Und natürlich kann man mit den Lehrenden vorher Themen abstimmen und Prüfungsinhalte vorbesprechen, sodass man da also nicht das Wissen der letzten 10 Jahre auswendig präsentieren muss, sondern es schon Absprachen gibt.

Christian: Ja okay, das geht aber dann auch bei vielen sicherlich mit ein bisschen Prüfungsangst einher, so wie das auch bei mir war. Aber da können wir dann auch gleich noch mal schauen, was es da für Angebote an der FernUni gibt. Über eine Prüfungsform würde ich gerne noch reden. Eine, die auch so ein Klassiker ist, wenn man das Wort Fernstudium hört: Da gehören irgendwie auch die Einsendeaufgaben immer mit dazu, oder zumindest denke ich das immer. Wie ist es an der FernUni, ist es noch üblich, dort viele Einsendeaufgaben im Studium zu schreiben, oder wird es auch eher weniger? Und wie läuft eigentlich so eine Einsendeaufgabe genau ab?

Biederbeck: Einsendeaufgaben ist so ein bisschen ein antiquiertes Wort. Das hat sich daraus entwickelt, als es noch die gedruckten Kurse gab, hat man gesagt, man schickt dann alle paar Wochen mal eine Aufgabe per Brief an die FernUni, und dann wird die kontrolliert und es gibt Feedback. Das funktioniert inzwischen in der Regel zum Beispiel in der Lernplattform. Wir nutzen Moodle als Lernplattform, und da gibt es dann zum Beispiel zeitlich getaktete Aufgaben, die man als sogenannte Prüfungsvorleistung erbringen muss, bevor man dann zur eigentlichen Prüfung zugelassen wird. Das heißt, es ist relativ deutlich: Hat eine Person zum Beispiel zwei von drei Einsendeaufgaben nur gemacht und man bräuchte aber drei, um zur Prüfung zugelassen zu werden, wird die Person eben nicht zugelassen. Insofern ist es eher unter dem Label Prüfungsvorleistung zu sehen, sei es, dass das wirklich was hochgeladen werden muss, oder dass gesagt wird, die Person muss sich mindestens so oft in einer Diskussion beteiligt haben, oder was auch immer. Da gibt's ganz unterschiedliche Formen und Formate auch da.

Christian: Okay, kann man nicht vereinheitlichen, also ist jetzt nicht so, dass man bei jeder Einsendeaufgabe dann drei Seiten Text oder sowas schreibt zu einem Thema.

Biederbeck: Kann aber sicherlich. Genau. Oder es kann auch sein, dass es gar nicht darum geht, dass es als Prüfungsvorleistung zählt, sondern dass es wirklich darum geht, dass man eine Reflexion über den Wissensstand haben will. Und dann gibt es Module, bei denen es so ist, dass man sagt: Okay, bis zu dem und dem Termin, wenn ihr es bis dahin schickt, dann kriegt ihr noch mal ein Feedback. Und wenn ihr es aber später schickt, dann können wir euch kein Feedback mehr geben, aber dann ist es trotzdem erfüllt im Sinne von: Ihr habt's abgegeben. Also da gibt's unterschiedliche Vorgehensweisen.

Biederbeck: Die Erfahrung, die da letztendlich hinter steckt, oder das Ziel, was dahinter steckt, ist immer noch das gleiche, nämlich dass man den Studierenden schon auch sagt: Okay, Fernstudium ist auch wirklich, sich hinsetzen und zu bestimmten Zeitpunkten schon versuchen, bestimmte Wissensstände zu erzielen. Und wenn ich das dann zu dem Zeitpunkt vielleicht noch nicht geschafft habe, aufgrund der Rückmeldung mich dann im nächsten Zeitraum stärker damit zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Denn wir wollen natürlich dem vorbeugen, dass man so dieses Gefühl hat: Ja, ich lerne jetzt vielleicht mal ein, zwei Stunden die Woche, und dann, oha, jetzt kommt die Klausur oder die mündliche Prüfung, und dann habe ich plötzlich den Riesenstoffberg noch vor mir. Das Ziel, ob Einsendearbeit, Quizzes, die ich irgendwie in Moodle machen muss, Diskussion im Forum, oder was auch immer das Format dann ist, dieser formativen Assessments, ist ja einerseits Feedback, andererseits aber auch natürlich so ein Lernanreiz zu bieten und eine Strukturierung. Weil das ist natürlich das, was im Fernstudium ansonsten häufig fehlen würde, weil ich ja nicht jede Woche mit Lehrenden zusammensitze und von denen eine Rückmeldung bekomme oder einen Auftrag. Sondern darum geht's im Prinzip mit diesen Einsendeaufgaben.

Christian: Ja, Fernstudium ist auch, sich selber zu strukturieren. Und auch dafür gibt's Angebote an der FernUni Hagen, dass man das ein bisschen lernen und einüben kann. Dann lassen Sie uns vielleicht mal übergehen zum Thema der Angebote, was es alles gibt an der FernUni. Was ich noch kenne, ich habe ja auch mal an der FernUni Hagen studiert, sind die Präsenzveranstaltungen, die ja auch studienbegleitend und teilweise verpflichtend in den Studiengängen sind. Wie kann man sich das denn vorstellen? Läuft sowas heute auch eher online ab, oder fahre ich da an den Campus?

Biederbeck: Das geht beides. Ich kann mal berichten: Im Bachelor Bildungswissenschaften zum Beispiel ist es so, dass die Studierenden während ihres gesamten Studiums ein Präsenzseminar mindestens gemacht haben müssen. Sie dürfen natürlich aber auch mehr machen. Und da bieten die Lehrenden zum Beispiel 10 bis 15 Termine an insgesamt im Studiengang, wo man sagt, da ist man an einem Campusstandort und bietet da ein Kompaktseminar an, das zum Beispiel von Freitag bis Montag geht. Und in der Zeit trifft man sich da vor Ort und hat eine Präsenzveranstaltung. Man kann aber auch sagen, man macht Online-Veranstaltungen für diejenigen, die das nicht möglich machen können, zum Beispiel über einen Zeitraum von sieben Wochen jeden Montagabend eine Stunde online. Das geht beides, und es wird auch beides angeboten.

Biederbeck: Das sind sozusagen Präsenzveranstaltungen im Sinne der Prüfungsordnung, also die verpflichtenden. Und es gibt eben noch eine Reihe von Präsenzveranstaltungen, die angeboten werden, aber nicht unbedingt von den Studiengangsverantwortlichen, sondern der AStA oder eben im StudyFit-Bereich gibt es Veranstaltungen, die die Campusstandorte auch selber machen, wo die Studierendenschaft selber eben auch zum Teil aktiv eingebunden ist.

Biederbeck: Noch ein finde ich ganz interessantes Format, was so in der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften durchaus zu finden ist, nämlich bei den Historikerinnen und den Philosophinnen: Die haben im Prinzip das versucht zu bündeln, damit der Austausch zwischen den Studierenden auch erhöht wird, und die machen dann eine Woche, wo dann die Seminare parallel laufen und wo auch Vorlesungen sind und andere Aktivitäten. Und die Studierenden kommen dann zum Campus, von montags bis freitags ist das dann, und haben tatsächlich die Möglichkeit, auch nicht nur die Lehrperson des jeweiligen Seminars zu treffen, sondern auch andere Personen, Kontakte zu knüpfen, vielleicht auch schon mal darüber nachzudenken, in welchem Bereich möchte ich denn meine Bachelorarbeit schreiben. Und das wird sehr gut angenommen, also da haben wir wirklich positives Feedback zu bekommen. Dieses konzentrierte, mit Diskussionsveranstaltungen und so weiter flankierte Seminar, dass das für die Studierenden großen Mehrwert auch mit sich bringt, auch im Sinne von akademischer Enkulturation. Das ist ja auch ganz wesentlich, dass man sich auch mit Menschen zusammensetzt und jetzt nicht immer nur mit Lernmaterial auseinandersetzt.

Christian: Sie hatten Vorlesung erwähnt, das ist ja auch akademische Tradition eigentlich, an so einer Vorlesung teilzunehmen. Aber das gibt's an der FernUni Hagen nicht so richtig, oder?

Bils: Also nicht im klassischen Sinne, dass sich eine Person in den Hörsaal stellt und wirklich liest und die anderen schreiben dann mit. Es gibt halt eben Präsenzseminare, was aber eher so einen interaktiven Charakter in der Regel hat, also dass man wirklich in den Austausch kommt. Und ansonsten kann man natürlich als Lehrender bei uns im Videostudio auch Vorlesungen aufzeichnen und stellt dann das Video zur Verfügung. Dann sitzt man eben nicht im Hörsaal mit 100, 200 anderen Personen, sondern guckt sich das alleine an, was aber auch den Vorteil hat: Es ist dann in der Regel asynchron, und man hat dann, sobald man die Zeit hat, die Kinder im Bett sind zum Beispiel, kann man sich noch mal eine Vorlesung anschauen und muss nicht um 16 Uhr, wenn man eigentlich noch auf der Arbeit ist, irgendwo sein.

Christian: Ja, es ist ganz wichtig glaube ich zu verstehen für viele, die sich für ein Studium an der FernUni oder an irgendeiner anderen Fernhochschule interessieren: Da sitzt man jetzt in der Regel nicht im Fernstudium am Rechner und hört sich dann einfach an, was da irgendjemand vorträgt. Man muss sich eben viel selber erarbeiten. Und wenn man dann Veranstaltungen hat, dann sind das eben meistens interaktive Seminare.

Bils: Es gibt es durchaus auch, also es gibt einzelne Lehrende, die das machen, die zum Beispiel unser Videostudio nutzen und sozusagen live eine Zoom-Veranstaltung haben und trotzdem einen Vortrag halten, und dann werden eben die Stimmen der Studierenden mit eingespielt und direkt drauf reagiert. Aber das ist auf jeden Fall nicht was, was Standard ist, sondern wo es einzelne Lehrende gibt, die dann besonderes Engagement haben und die sagen, das möchte ich mal umsetzen und ausprobieren.

Christian: Kommen wir mal zu einem anderen Angebot, das sind die Brückenkurse. Also ich habe mal ein oder zwei Semester glaube ich Wirtschaftswissenschaften studieren wollen, und da war natürlich Mathematik gleich ein Thema ganz am Anfang. Ich war in der Schule in Mathematik nie so gut, und da habe ich gesehen, da gibt's auch Brückenkurse oder einen Kurs zum Einstieg in die Mathematik, dass man so ein bisschen sein Schulwissen nachholt. Können Sie uns dazu was sagen, vielleicht Herr Biederbeck, was gibt's für Brückenkurse und wie werden die genutzt?

Biederbeck: Ja, Sie haben tatsächlich Mathematik jetzt schon als das Thema identifiziert, was wir mit den Brückenkursen vor allen Dingen adressieren. Und da haben wir einen doppelten Ansatz würde ich sagen. Also zum einen haben wir tatsächlich geschaut, was ist die Mathematik, die dann in den jeweiligen Studiengängen benötigt wird, und deshalb gibt es fakultätsspezifische Angebote, dass wirklich die Mathematik aufgefrischt wird oder noch mal erlernt wird, die es dann auch für den jeweiligen Studiengang oder die Studiengänge der Fakultät braucht.

Biederbeck: Und wir haben aber auch gemerkt, dass es durchaus auch Studierende gibt, die jetzt nicht nur mit der Sekundarstufe 2, mit der Oberstufenmathematik, Schwierigkeiten haben, sondern vielleicht sogar davor so ein bisschen Lücken aufweisen. Und diese Lücke haben wir dann noch mal geschlossen mit einem Kurs, der sich jetzt über mehrere Fakultäten erstreckt und wo wir sagen, das fokussiert vor allen Dingen so das Wissen hinsichtlich: Was brauche ich, damit ich Statistik gut kann? Denn das ist ja etwas, was viele Studierende oder Studieninteressierte häufig noch nicht so sehen, dass ich auch in Studiengängen, die vermeintlich nicht mathematisch sind, durchaus statistische Kenntnisse und Kompetenzen vorweisen muss beziehungsweise im Laufe des Studiums dann vertiefe. Und deshalb haben wir einen Kurs gemacht, der sich Mathematik für Statistik nennt und sowas wie Prozentrechnung und dergleichen noch mal aufgreift und auch ein bisschen Wahrscheinlichkeitsrechnung, also die Stochastik.

Biederbeck: Damit man sich auch schon im Vorfeld, wenn ich mich entschieden habe, ich möchte ein Fernstudium machen, dann schon mal die ersten Monate, wo ich vielleicht noch warte, dass das Semester startet, damit auseinandersetzen kann. Und das ist jetzt aber nicht so gedacht, dass diese Kurse so sind: Okay, ich muss die komplett durcharbeiten. Sondern man kann sich das im Prinzip herausnehmen, was man selber vielleicht für nötig hält oder wo unser Feedback dann auch sagt, damit solltest du dich auseinandersetzen. Und dann kann man die Bereiche noch mal durchgehen, und alles andere, was man schon kann, kann man natürlich ausblenden.

Christian: Ja, das beobachte ich auch mal bei Studienanfängern, die sich jetzt schon eingeschrieben haben, aber immer noch warten, die wissen nicht so richtig, was sie jetzt machen sollen die nächsten zwei Monate. Und da ist ein guter Tipp dann eben, vielleicht mal zu schauen, ob es da irgendeinen Brückenkurs gibt oder eines dieser Angebote, die wir jetzt hier nennen. Wissenschaftliches Arbeiten, Statistik ist tatsächlich auch ganz sinnvoll. Wenn man sich mit wissenschaftlichem Arbeiten beschäftigt, sich damit auseinanderzusetzen. Gibt's da auch zum Thema wissenschaftliches Arbeiten Angebote an der FernUni, die man beispielsweise vor Studienbeginn schon absolvieren kann?

Biederbeck: Ja, es gibt einen Brückenkurs insbesondere für Wirtschaftswissenschaften zum wissenschaftlichen Arbeiten, der einen ähnlichen Gedanken im Prinzip hat wie die Mathematik-Brückenkurse, so die Brücke zu schlagen hinein ins Studium, also die Dinge schon mal so ein bisschen vorzubereiten, die ich dann im Studium aber natürlich noch lernen werde. Also es ist jetzt nicht beim wissenschaftlichen Arbeiten bei diesem Brückenkurs so der Gedanke, du musst den jetzt machen und danach hast du es verstanden. Sondern der Gedanke ist, da schon mal vorbereitend an der Denkweise vielleicht zu feilen, was bedeutet es überhaupt, wissenschaftlich zu arbeiten, und so erste Grundsätze kennenzulernen. Aber der Anspruch ist nicht, ein Propädeutikum zu ersetzen damit, keinesfalls.

Biederbeck: Und darüber hinaus haben wir eben im Bereich wissenschaftliches Arbeiten eine ganze Menge an Angeboten. Also Annabel Bils hat vorhin schon die Universitätsbibliothek auch erwähnt. Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört natürlich in erster Linie erstmal, wenn ich anfange zu studieren, mich damit auseinanderzusetzen: Wie komme ich an Literatur, wie kann ich Literatur recherchieren, und wie kann ich sie dann eben auch bearbeiten? Und wie kann ich mich da organisieren, dass ich nicht am Ende merke, oh, eigentlich hast du das Buch doch schon mal gelesen, wie war das denn noch?

Biederbeck: Und das finde ich ist das, was ich immer auch Studienanfängerinnen und Studienanfängern empfehlen würde, sich damit auseinanderzusetzen, die Tipps der UB wirklich auch in Anspruch zu nehmen. Es gibt da kurze Workshops, zweistündige Workshops, wo die Kolleginnen und Kollegen das für auch fachspezifische Literaturrecherche gut aufbereiten, damit man so eine Vorstellung hat: Wie suche ich mit so einem Katalog, wie kann ich in Zeitschriften-Datenbanken zum Ziel kommen?

Biederbeck: Und was wir auch noch gemacht haben, ist, relativ simpel vielleicht von der Idee her, aber wird auch gut wahrgenommen: so ein digitaler Büchertisch mit Tipps zum Studieneinstieg. Die Universitätsbibliothek hat halt überwiegend inzwischen E-Books, und da haben wir mal zusammengestellt zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Universitätsbibliothek, was wir glauben, was so gute Ratgeber sind für den Studieneinstieg. Und das ist so eine PDF, da kann man einfach reinklicken und sich die Bücher, die man meint, die einen ansprechen, raussuchen. Es gibt da ja immer ganz unterschiedliche Zugänge zu dem Thema, nicht alles spricht einen persönlich so an. Also würde ich immer empfehlen, einfach mal reingucken, bisschen querlesen, und wenn man dann sagt, ach, das finde ich gut, dann einfach mal den Ratgeber vielleicht für sich selber nutzen.

Christian: Ja, was ich auch empfehlen kann, ist einfach mal zu schauen, ob es irgendwo eine Bibliothek vor Ort gibt. Wenn man da irgendwie eine Uni oder Fachhochschule in seiner Stadt hat, da gibt's in der Regel auch Bibliotheken, wo man auch als Studierender von anderen Hochschulen rein kann, sich da auch was ausleihen kann, und da einfach auch mal so ein bisschen Bibliotheksatmosphäre zu schnuppern, mal zu gucken, was gibt's für Bücher aus dem eigenen Fachbereich. Man kann auch recherchieren üben letztendlich dort vor Ort. Aber natürlich sollte man das dann auch über das Angebot der FernUni Hagen machen.

Christian: Ein anderes Angebot ist das wissenschaftliche Schreiben, das gehört ja dann eben irgendwie auch zum wissenschaftlichen Arbeiten mit dazu. Wir hatten vorhin schon mal kurz ein bisschen darüber geredet, als es um die Hausarbeiten ging. Gibt's da auch Brückenkurse, oder wie kann ich mir das vorstellen?

Biederbeck: Ja, Brückenkurse gibt's dann nicht, weil wir gesagt haben, das wäre ziemlich viel Trockenübung. Sondern wir haben im Prinzip gesagt, wir machen gerne auch das Angebot von Selbstlernmaterialien, die wir dann auch in Moodle, also Lernumgebung, bereitstellen. Das sind dann eben so Impulse, würde ich es nennen, also dass ich tatsächlich mal so Schreibübungen habe, die so darauf abzielen: Okay, ich habe jetzt eine Aufgabe bekommen, ich soll irgendwie ein Essay verfassen, wie kriege ich denn jetzt was zu Papier? Oder: Wie kann ich mich strukturieren, Stichwort Literaturrecherche? Wie kann ich mich strukturieren beim Schreiben? Wie schaffe ich es, mich nicht ablenken zu lassen? Wie schaffe ich es, mir möglichst regelmäßig Schreibzeiten zu organisieren in meinem Alltag? Da geht's ja eben auch viel darum.

Biederbeck: Also Schreiben kommt ja nicht von alleine, ich kann mich nicht hinsetzen, zumindest ist das meine Erfahrung, dass die wenigsten Menschen das können, einfach hinsetzen und sagen: Okay, jetzt von 18 bis 19 Uhr setze ich mich hin und schreib dann einfach mal sauber runter. Und dann ist das das, was ich hinterher einreichen kann. Sondern ich brauche ja Denkzeit, ich brauche Schreibzeit, ich brauche Zeit zum Revidieren des Gedankens und so weiter. Und das muss ich mir natürlich irgendwie in meinen Arbeitsalltag reinpacken können. Und da gibt's halt verschiedene Strategien, wie ich das machen kann, wie ich vielleicht aber auch das Gegenteil vermeide, dass ich zu lange da sitze und am Ende so denke, ich habe jetzt gar nichts zustande gebracht, wie ich so eine Überforderung vermeide. Das sind so diese Selbstlernmaterialien, die wir haben.

Biederbeck: Und wir haben gesagt, der Austausch mit anderen ist ja auch ganz wichtig darüber, um eben genau das, was Annabel Bils auch am Anfang zum Thema Plagiat und die Sorgen, die man da hat, dass man da so reinrutschen kann, aus Versehen, zu vermeiden. Und wir haben studentische Hilfskräfte bei uns im ZLI, die darauf geschult sind, mit Studierenden auf so einer studentischen Ebene darüber zu sprechen, was bedeutet eigentlich wissenschaftliches Schreiben. Und die bieten offene Schreibräume an, auch wieder virtuell. Dann kann ich zweimal die Woche vorbeikommen, brauch mich nicht anmelden und kann dann einfach sagen: Hey, ich habe die und die Sorgen, ich habe die und die Fragen, ich habe die und die Ideen, was haltet ihr davon, was sind eure Erfahrungen, sag mir doch mal, bin ich da auf dem richtigen Weg? Das ist so wirklich ein ganz einfacher Einstieg in eine Beratung, in einen Austausch.

Christian: Und zum Schreiben gehören irgendwie auch Sprachen. Habe ich auch die Möglichkeit, wenn ich mich für Fremdsprachen interessiere, an der FernUni Hagen jetzt mal über mein Fach hinaus eine Fremdsprache zu lernen, Latein beispielsweise, oder mein Englisch verbessern?

Biederbeck: Ja, also Latein ist erstmal, um das vorwegzuschicken, jetzt kein Muss. Also ich muss nicht Latein können, um an der FernUniversität zu studieren. Da gibt's immer wieder Irritationen, dass Leute sagen, oh, ich brauche bestimmt für Rechtswissenschaft irgendwie Latein, weil es da so ein paar Formulierungen gibt im Rechtswesen, die irgendwie lateinisch sind. Das ist nicht so, um dem Missverständnis einmal entgegenzuwirken. Aber es ist natürlich trotzdem für manche Fächer wie Geschichte oder Philosophie durchaus hilfreich, wenn man da ein paar Grundkenntnisse hat. Kommt immer drauf an, in welchem Bereich man sich da auch vertiefen möchte.

Biederbeck: Bei Englisch ist es so, dass wir als FernUniversität mehr und mehr Module auch in Englisch anbieten, grundsätzlich aber die Studiengänge noch in deutscher Sprache komplett auch studierbar sind. Um aber natürlich darauf zu reagieren, dass die Fachliteratur immer mehr nur noch in englischer Sprache verfügbar ist, haben wir gesagt, wir bieten den Studierenden Unterstützung an. Und zwar ist das bei uns nicht so, dass man jetzt irgendwelche Sprachkurse hat, wo man in die Klasse kommt und sagt, okay, jetzt habe ich mittwochs von 18 bis 20 Uhr mein Online-Meeting und lerne jetzt hier, mich mündlich auszudrücken. Sondern wir zielen erstmal auf die Lesekompetenz und die Schreibkompetenz. Und da gibt es eben jetzt den ersten Brückenkurs zum Thema fachspezifisches Englisch für Kultur- und Sozialwissenschaften. Und das werden wir nach und nach ausbauen, dass für jede Fakultät, mindestens vielleicht auch noch mal differenziert innerhalb der Fakultäten, so ein Kurs vorhanden ist, wo man dann anhand konkreter Fachliteratur seine englischen Sprachkenntnisse verbessern kann, Ausdrücke einüben kann, die so für die Fachsprache für die jeweilige Community gebräuchlich sind, und damit ich mich da sicherer bewegen kann.

Christian: Ja, vielen Dank, wir sehen, es gibt ein sehr umfangreiches Angebot an der FernUni Hagen, dass man eben auch schon vor Studienbeginn ausprobieren kann. Es gibt noch mehr Dinge, wir können jetzt nicht auf alle einzelnen eingehen. Wer sich dafür interessiert, schaut einfach auf der Website der FernUni mal vorbei, da kann man sich wirklich sehr umfangreich informieren. Wir verlinken das natürlich auch in der Beschreibung für diesen Podcast. Als letztes Thema haben wir uns überlegt, noch so ein bisschen über KI zu reden. ChatGPT, ein spannendes Thema, das gerade so ein bisschen gehypt wird. Und wir wollten das mal aus mehreren Perspektiven beleuchten, zum einen aus Perspektive der Lehrenden und dann natürlich auch aus Perspektive der Studierenden. Wie sieht's denn aus an der FernUni Hagen, wird da beispielsweise ein Programm wie ChatGPT zur Unterrichtsvorbereitung genutzt?

Christian: Ich gebe vielleicht mal noch ein kleines Beispiel: Für diesen Podcast habe ich auch ChatGPT genutzt. Ich habe mir beispielsweise jetzt natürlich nicht die ganze Struktur des Podcasts von ChatGPT erstellen lassen, aber ich habe mir bei einzelnen Klausurformen zum Beispiel angeschaut, was gibt's so für Vor- und Nachteile, auf die ich jetzt nicht so selber komme. Ich habe einfach eingegeben, nenn mir beispielsweise Vor- und Nachteile von Klausuren oder von Open-Book-Klausuren oder erkläre mir auch diese Klausurform. Das war super praktisch, hat mir sehr viel Zeit erspart, ich wäre sicherlich auf alles auch von alleine gekommen, aber ich habe eine Stunde an Arbeit eingespart durch die Recherche. Ist das in der Unterrichtsvorbereitung mittlerweile auch ein Thema, oder nutzt man das da eher noch nicht so?

Bils: Na ja, also sagen wir mal so: Es gibt an der FernUniversität jetzt keine übergeordneten, durch das Rektorat verabschiedeten Richtlinien, wie man sich dazu verhalten darf oder soll. Wir sind aber gerade auch in Zusammenarbeit mit anderen Forschungsprojekten und anderen Beteiligten daran, so Handlungsleitfäden zu erarbeiten. Aber wir haben vor kurzem eine Befragung gemacht der Lehrenden, welche Tools nutzen Sie, in welchem Umfang nutzen Sie die. Und natürlich wird ChatGPT auch bei den Lehrenden genutzt. Zur Prüfungsvorbereitung ist das sicherlich was, wo man sagt, oder zur Unterrichtsvorbereitung, wo man sicherlich sagt, das ist auch legitim zu sagen, grobe Strukturen sich mal erstellen zu lassen. Wo man natürlich aufpassen muss, ist bei Quellen. Zum Beispiel denkt sich ChatGPT ja manchmal Quellen aus, die gibt's gar nicht in Wirklichkeit, oder Namen. Aber grundsätzlich nutzen unsere Lehrenden das schon, um zum Beispiel Prüfungsaufgaben sich zu überlegen, aufgrund von einer bestimmten Art von Vorwissenstexten und Prompts.

Bils: Und was uns jetzt noch mal wichtig ist, wo wir auch gucken wollen, dass es für Studierende und auch für Lehrende entsprechende Angebote gibt, ist, dass man eben richtige Prompts formuliert, dass man die Tools eben auch richtig nutzt. Was wir aber jetzt zum Beispiel für die Studierenden nicht sagen oder sie ermutigen: Nutzt ChatGPT, um eure Hausarbeit zu schreiben. So nicht. Sondern eher zu sagen: Nutzt das, um vielleicht eine Sortierung zu machen, eine Struktur zu erarbeiten, vielleicht noch mal eine Inspiration zu kriegen. Aber es gilt natürlich dann trotzdem nicht mehr als eigenständig gemacht, wenn man eine Hausarbeit über ChatGPT schreiben lässt.

Christian: Genau, da kommen wir vielleicht gleich noch mal genauer drauf. Aber ich wollte noch mal bei der Unterrichtsvorbereitung bleiben. Also Recherche wäre eine Möglichkeit, vielleicht auch sich eine Gliederung zu erstellen für ein Seminar beispielsweise, oder einfach auch als Inspiration sich Unterrichtsmaterialien erstellen zu lassen oder auch ein bisschen Hilfe geben zu lassen.

Bils: Ja, also zumindest wenn es darum geht, zum Beispiel eine Gliederung zu machen oder zu sagen, welche relevanten Aspekte brauche ich noch in dem Studienbrief. Trotzdem sind gerade die Unterrichtsmaterialien, was unsere Studienbriefe, die in den Modulen zum Einsatz kommen, angeht, ja schon so, dass die Lehrenden selber auch schreiben, um auch den akademischen Anspruch voranzubringen, oder zu sagen, das ist auch was, was wirklich von den Lehrenden geschrieben wird, damit die Studierenden auch gesichert das nötige Wissen oder die nötigen Informationen erhalten.

Christian: Testfragen hatten Sie noch genannt.

Bils: Ja, Testfragen, das kann man sich eben überlegen, dass man sagt, okay, das ist der Pool an Text, den die Studierenden kennen, was wären da passende Fragen für eine Klausur zum Beispiel. Also es geht, aber ich würde sagen, es ersetzt nie die menschliche Leistung, da auch wirklich einmal das gegenzuchecken und zu prüfen, ob das wirklich angemessen und angebracht ist.

Christian: Ja, das merken wir hier im Arbeitsalltag auch immer wieder. Da findet man immer wieder Fehler, die nur wir sozusagen als Fachredakteure dann auch kennen, was jemand anderem wahrscheinlich gar nicht auffallen würde. Die Daten sind halt auch teilweise veraltet, also man muss da auch schon mal sehr genau schauen. Aber es ist halt für uns schon eine Arbeitserleichterung und auch eine Inspirationsquelle, häufig wie jetzt eben für diesen Podcast. Da einfach mal auszuprobieren, aber ich übernehme da nichts eins zu eins, sondern schaue da noch mal genau drüber, was mir da jetzt präsentiert wird.

Christian: Sowas Ähnliches wie ChatGPT versucht ja die IU Internationale Hochschule in ihre Studienskripte zu integrieren, so eine Art Chatbot, den man dann Fragen beispielsweise zu den Studienskripten stellen kann. Ich weiß nicht, inwiefern Sie das schon mal ausprobiert oder gesehen haben. Können Sie da was dazu sagen? Ansonsten sage ich auch gleich noch ein paar Worte dazu.

Bils: Also ich habe es persönlich noch nicht ausprobiert, zumindest nicht diesen Chatbot. Aber es gibt ja auch andere KI-gestützte Bots, die man sich angucken kann. Ich glaube, Character AI gibt's ja auch, wo man sich verschiedene, was weiß ich, auch Psychotherapeuten simuliert angucken kann und solche Sachen und solche Gespräche. Das haben wir jetzt im Einzelnen nicht gemacht, aber im Bereich von Herrn Biederbeck ist gerade auch eine Masterarbeit zu dem Thema. André, vielleicht kannst du das kurz erzählen.

Biederbeck: Genau, also die geht im Prinzip in eine ähnliche Richtung, wo tatsächlich die sokratische Methode auch auf Basis des Lernmaterials angewendet wird. Und das ist aber noch in der Entwicklung, also die Masterarbeit ist jetzt erstellt, aber wir schauen jetzt gerade, wie können wir das weiterverfolgen. Und das ist sowieso vielleicht was, was für die Zuhörenden noch mal ganz interessant ist: Wir versuchen wirklich auch, da wo es geht, Studierende schon mitzudenken, beispielsweise auch bei Abschlussarbeiten. Also wir haben ja den Bereich Bildungswissenschaft und E-Education, und da gibt's natürlich sehr starke Anknüpfungspunkte auch zu unseren Services, die wir über das Zentrum für Lernen und Innovation anbieten oder zukünftig anbieten wollen. Und da wirklich zu schauen, mit dem Know-how, was Studierende haben, mit den Erfahrungen, die sie aus dem Fernstudium haben, mit dem Wissen darüber, wo man vielleicht ansetzen könnte, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Und da ist zum Beispiel diese Masterarbeit jetzt zur sokratischen Methode ein Beispiel, wo wir jetzt mal schauen werden, wie lässt sich das dann vielleicht in einen Regelbetrieb bringen, damit auch Studierende, zumindest in dem Studiengang, für den es jetzt entwickelt wurde, davon profitieren.

Biederbeck: Aber es wird Stand heute nicht so sein, dass sowas flächendeckend eingeführt wird, um das persönliche Gespräch mit den Betreuenden zu ersetzen. Weil wir ja sowieso häufig mit dem Vorurteil konfrontiert sind: FernUni-Studierende sind alle ganz alleine und einsam und sitzen nur vor ihrem Schreibtisch zu Hause, haben überhaupt keinen Austausch mit anderen. Und dann kriegen sie auch noch einen Chatbot hingestellt und haben überhaupt keinen Kontakt zu den Lehrenden. Wir wissen aus Studierenden-Befragungen, dass die gerade den Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden wünschen und auch den Kontakt zwischen Studierenden untereinander. Und deswegen versuchen wir natürlich auch immer menschliche Kontakte zu forcieren und zu ermöglichen, wo immer es geht. Und deswegen ist ein Chatbot sicherlich eine Sache, die bei der persönlichen Studienvorbereitung und beim Lernen hilft, wird aber glaube ich nicht die persönliche Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden ersetzen können.

Christian: Ja, das denke ich auch. Vielleicht für unsere Zuhörer noch mal so eine kurze Erklärung, wie das Ganze eigentlich funktioniert. Also man muss sich das so vorstellen: Ich habe ein Studienskript, das rufe ich digital auf, beispielsweise über meinen ganz normalen PC-Monitor, und dann habe ich unten in der kleinen Ecke so ein kleines Chatbot-Symbol, ein Fragezeichen oder sowas, wie man das auch häufig von Websites kennt. Und wenn ich da drauf klicke, kann ich eben eine Frage zu dem Skript beispielsweise stellen. Und ich habe das auch mal ausprobiert, jetzt noch nicht so intensiv, aber ein paar Fragen eingegeben.

Christian: Also was natürlich gut funktioniert, ist, nach einer Definition zu fragen, die auch im Text irgendwo erwähnt wird. Dann bekomme ich da wirklich mit einer ganz normalen Sprache, wie von der Lehrkraft beispielsweise, die Definition wiedergegeben, die Textstelle auf der Seite. Aber das ist jetzt aus meiner Sicht nichts Besonderes in dem Sinne, weil das erspart mir vielleicht ein kleines bisschen Suchzeit, die ich eigentlich auch aufwenden könnte, oder einfach mal ins Inhaltsverzeichnis gucken.

Christian: Und dann habe ich natürlich überlegt, okay, was wäre jetzt praktisch oder hilfreich? Natürlich das, was ich wahrscheinlich auch eine Lehrkraft fragen würde. Zum Beispiel: Was sind das da eigentlich für Autoren, die da in dem Text erwähnt werden? Wo es dann um Informationen geht, die auch so ein bisschen über das Studienskript hinausgehen, die ich jetzt irgendwo recherchieren müsste. Das kann diese KI momentan zumindest noch nicht leisten. Also ich habe da dann Namen eingegeben von Autoren und Autorinnen, die da in dem Text erwähnt wurden, da kam jetzt keine brauchbare Antwort.

Biederbeck: Wäre ja auch zum Beispiel sowas wie Studienberatung, oder sozusagen in so formalen Themen, zu sagen: Alle Infos über einen Studiengang werden eingespeist, und dann kann man fragen, wann ist noch mal die Klausur in München, oder jetzt habe ich 20 ECTS erreicht, reicht mir das dann jetzt zum Bestehen? Also dass man solche Informationen da auch einspeist, das könnte ich mir auch vorstellen.

Christian: Genau, das war dann auch mein nächster Versuch, nämlich zu fragen: Was muss ich jetzt eigentlich lernen aus diesem Skript, was sind hier die relevanten Informationen, was muss ich in der Klausur wissen und wiedergeben? Das hat natürlich auch nicht funktioniert. Man merkt, das ist alles noch so ein bisschen in den Kinderschuhen. Was ich gut finde, ist, dass die Antworten, die da dann gegeben werden, in der Regel auch noch mal geprüft werden von Lehrkräften, von Dozenten und Dozentinnen. Das steht dann noch mal drunter: Diese Antwort wurde geprüft. Teilweise haben die Antworten jetzt nicht so gut auf die Fragen gepasst, aber es war immer auch geprüft. Und dann hat man immer noch die Information dazu: Ja, diese Frage haben deine Kommilitonen auch schon mehrfach gestellt, das hier ist eine mögliche Antwort, die wurde von einer Lehrkraft geprüft.

Christian: Aber wenn das dann eben hinausgeht über Informationen aus dem Skript, wo man dann selber schon anfangen würde, anderswo zu recherchieren, da kam momentan jetzt noch nicht so viel. Was ich interessant finde, und das kann ich vielleicht noch als Diskussionspunkt mit in die Runde schmeißen, ist, dass über diese Funktion ja auch ganz viele Fragen der Studierenden an die Skripte gesammelt werden. Also irgendjemand hat da bestimmt Zugriff auf die ganzen Fragen, wenn das eben die Lehrkräfte schon prüfen. Und das ist glaube ich ziemlich interessant für die Hochschule, um die Skripte zu verbessern. Wenn da Fragen immer wieder auftauchen, warum soll man sie nicht gleich im Skript irgendwo beantworten? Da scheint ja irgendwas im Skript an Informationen zu fehlen.

Bils: Ja, das finde ich eine super Idee. Wir haben zwar bei uns eine Abteilung, die zur Evaluation und zum Hochschulmonitoring da ist, und die machen auch regelmäßig Qualitätsbefragungen, auch was Studienbriefe angeht, auch in unterschiedlichen Formen, also sei es dann wirklich, dass Studierende da Annotationen machen können und auch zu anderen Feedbackformen. Aber sowas könnte ich mir natürlich auch vorstellen, dass man dadurch eben auch Wissen generiert: Wo sind die kritischen Stellen?

Biederbeck: Und dann sind wir vielleicht auch schon halbwegs wieder beim Thema Learning Analytics. Aber vielleicht einmal einhakend zu diesem Gedanken: Wir experimentieren gerade mit der Frage, kann man ChatGPT und Co nutzen oder den Studierenden empfehlen, um damit Lernkarten zu erstellen? Und da ist natürlich erstmal der erste Knackpunkt: Ist das, was ChatGPT dann ausgibt, oder ein anderes KI-Tool, ist das denn verlässlich? Ist das korrekt, die Definition oder die Zusammenfassung oder was auch immer dann geliefert wird, die Formel? Das ist so der erste Knackpunkt.

Biederbeck: Der zweite Knackpunkt ist aber natürlich die Frage: Sollte man so etwas empfehlen? Im Sinne des kognitiven Verarbeitens, ist es für den Studierenden besser, sich jetzt darüber eine Lernkartei erstellen zu lassen und zu sagen, okay, ich habe die jetzt hier? Oder ist nicht schon das Überlegen, das Rausziehen aus dem Studienmaterial und das Verarbeiten in eine Lernkartei nicht schon die kognitive Leistung, die es braucht, um es dann wirklich auch verinnerlicht zu haben? Also das sind finde ich spannende Fragen: Ist dieses Abkürzen in Anführungsstrichen, was erstmal vielleicht als Erleichterung empfunden wird, am Ende des Tages ein Mehrwert, oder verhindert es nicht vielleicht auch vertieftes Lernen? Also das sind so Punkte, denke ich, worüber man sich noch mehr Gedanken machen muss, als jetzt immer nur auf die technischen Möglichkeiten und die Verlässlichkeit der Informationen, die mir da ausgegeben werden, zu schauen.

Christian: Ja, man merkt, da wird eben auch ganz viel ausprobiert, von Seiten der Studierenden, nicht nur von Seiten der Hochschulen. Was kann ich damit überhaupt machen, was bringt mir das denn eigentlich? Weil die Definition, die könnte ich eben auch schnell im Skript nachschlagen. Das bringt mir vielleicht eine gewisse Zeitersparnis, aber ansonsten darüber hinaus jetzt nicht so viel. Sicherlich auch eine Entlastung teilweise für die Lehrkräfte, wenn dann so Fragen auftauchen, die eigentlich immer wieder kommen, die man sich sicherlich auch irgendwo auf der Website oder in Moodle oder wo auch immer recherchieren könnte. Das ist dann vielleicht ganz praktisch. Aber so für einen tiefergehenden Austausch, da ist dann doch ein wirklich persönlicher Austausch doch noch ein Stückchen sinnvoller. Ich bin gespannt, wohin sich das entwickeln wird, auch mit diesem Tool. Ich sehe momentan den größten Vorteil ehrlich gesagt für die Hochschule einfach, und darin eben dann Analysedaten letztendlich zu sammeln und die Skripte so zu verbessern.

Biederbeck: Das wäre natürlich beim Thema Lernkarten genauso, also zu sehen: Was glauben die Studierenden, sind die entscheidenden Wissensbestände, die ich jetzt aus dem Studienmaterial mitnehmen sollte? Und da kann man natürlich schauen: Deckt sich das mit dem, was ich als Kompetenzziel selber als Lehrender definiert habe, oder weicht das deutlich davon ab? Und dann muss ich vielleicht an der Kommunikation arbeiten, was denn hier eigentlich der Gegenstand des Lernens ist. Also deswegen denke ich schon, dass da viel drin steckt, aber wir natürlich bei dem Wunsch, möglichst viele Daten zu sammeln und daraus dann Erkenntnisse zur Verbesserung des Studienmaterials zu ziehen, nicht Empfehlungen aussprechen zum Lernen, die dann wiederum kontraproduktiv für das Lernen an sich sind.

Christian: Ja, ein anderes Thema in Zusammenhang mit KI und Lehre ist ja die Personalisierung, die auch noch mal auf eine andere Art und Weise möglich wird. Können Sie uns da ein bisschen was dazu sagen? Wird sowas vielleicht auch an der FernUni Hagen schon genutzt, um beispielsweise ganz individuell Schwächen bei einzelnen Studierenden festzustellen und denen dann zu sagen: Hey, schau mal, damit müsstest du dich vielleicht noch mal intensiver auseinandersetzen?

Bils: Dazu gibt es Forschungsprojekte, die sich mit solchen Fragestellungen beschäftigen. Zum Beispiel in dem Forschungszentrum CATALPA, das steht für Center of Advanced Technology for Assisted Learning and Predictive Analysis. Die machen genau das, also die erforschen solche Auswirkungen von Learning Analytics auf Lernerfolg, auf zum Beispiel Diversität in Lerngruppen wird untersucht, und alles was mit solchen Fragestellungen auch mit KI zu tun hat. Da gibt es auch Pilotierungen und sozusagen Forschungsinstanzen, wo das ausprobiert wird.

Bils: Es ist aber nichts, das sozusagen schon flächendeckend eingeführt wird. Wobei ich schon glaube, dass die Zukunft des Lernens, oder des hochschulischen Lernens, irgendwann so aussehen wird, dass das Curriculum nie eins zu eins für jeden Studenten, jede Studentin dasselbe ist, sondern dass es schon immer individuelle Anpassungen gibt. Das glaube ich schon, dass das irgendwann soweit sein wird. Im Moment ist es noch nicht so, aber es gibt halt wirklich sehr, sehr viel Forschung dazu.

Bils: Wir haben auch ein Projekt, was sich mit der Infrastruktur auseinandersetzt, um sozusagen einmal die Basis zu schaffen, auch zu ermöglichen, diese Daten zu erheben. Das heißt, wir setzen da zusammen mit dem Datenschutz, wir sitzen da zusammen mit der Rechtsabteilung, aber auch mit dem Zentrum für Digitalisierung und IT, um die entsprechenden Daten auch aus den verschiedenen Systemen zu identifizieren zunächst mal und dann abzurufen. Wir haben den Rektoratsbeschluss und sind gerade dabei, den umzusetzen, eine sogenannte Datentreuhandstelle bei uns einzurichten. Das heißt, das ist eine Person, die Forschungsdaten miteinander in Beziehung setzt. Also wenn eine forschende Person sagt, sie braucht Daten aus der Lernumgebung und möchte die mit einer Performance-Leistung zum Beispiel oder mit Daten aus dem Einschreibewesen matchen, dass dann eben nicht die Originaldaten benutzt werden, sondern dass eine Person da ist, die die anonymisiert und pseudonymisiert und dann wieder zurückgibt in dieser aufbereiteten Form.

Bils: Und André Biederbeck ist an einem Projekt zu Studienverlaufsreflexion, das geht schon bisschen in die Richtung. Da kannst du vielleicht auch noch mal mehr zu sagen.

Biederbeck: Genau, also da ist im Prinzip der Ansatz der, dass nicht nur wir die Daten nutzen als Hochschule, die wir von den Studierenden haben, sondern die Studierenden selber auch die Daten bekommen und die für sich selber auch interpretieren können. Das hat natürlich Voraussetzungen, nicht nur, dass die Daten da sind, die sind natürlich da, sondern auch, dass die Studierenden so ein bisschen angeleitet werden, wie man denn solche Daten auch interpretieren kann. Wir wollen natürlich vermeiden, dass jetzt jemand, der vielleicht langsamer studiert als der Durchschnitt, aber dafür gute Gründe hat, am Ende des Tages demotiviert nach Hause geht und sagt, nee, also Fernstudium, das war jetzt nichts für mich, ich bin ja unterdurchschnittlich schnell. Da gibt's also Dinge, die man da wirklich als Anleitung zusammenstellen muss, da sitzen wir dran.

Biederbeck: Und natürlich auch die Frage, welche Daten sind dann wirklich für Studierende hilfreich? Also wir haben jetzt natürlich sowas wie Prüfungsdaten im Blick, dass ich mich mit anderen vergleichen kann. Weil das ist ja auch ein Unterschied zum Präsenzstudium. Im Präsenzstudium kriege ich so mit, die und die Personen haben mit mir die Klausur geschrieben, die kann ich dann irgendwie beim nächsten Mensabesuch anhauen und sagen: Hey, welche Note hattest du denn? Habe ich irgendwie so meine Peergroup um mich herum. Im Fernstudium ist es so, gerade wenn ich eine Online-Klausur jetzt nur noch schreibe, sehe ich die anderen nicht, kann die nicht fragen und bin irgendwie für mich allein und weiß nicht, ist jetzt die 3 plus eine gute Note gewesen in dieser Klausur oder nicht?

Biederbeck: Und genau das möchten wir halt ermöglichen, dass Studierende sich besser selbst einschätzen können, immer aber natürlich eingeordnet in diese Dinge, die man da beachten muss bei der Interpretation. Und wir möchten ihnen die Möglichkeit geben, auch den Studienverlauf besser planen zu können, sei es, dass sie sagen: Okay, ich habe die und die Interessenschwerpunkte, in welchen Modulen wird denn eigentlich auf diese Interessenschwerpunkte besonders eingegangen, wenn ich den Wahl- und Vertiefungsbereich gucke? Oder: Ich habe die und die zeitlichen Restriktionen, was ist denn sinnvoll, in welcher Reihenfolge zu studieren? Also im Sinne einer Studienverlaufsempfehlung, nicht als Vorgabe, sondern immer auch als Empfehlung nur. Aber das sind so die Punkte, an denen wir gerade ganz konkret schon arbeiten.

Christian: Jetzt fiel schon ganz oft das Wort Datenschutz. Dann lassen Sie uns vielleicht zum Schluss für dieses Gespräch noch so ein bisschen über die Bedenken reden, die damit einhergehen, sowohl bei Lehrkräften als auch bei Studierenden natürlich. Datenschutz und Privatsphäre ist ja ein Thema, was diejenigen dann beschäftigt. Man muss ja eben irgendwo seine Daten oder Informationen über sich selber hergeben, damit die KI dann daraus was machen kann. Die nutzt natürlich auch noch ganz viele andere Daten, die Skripte dann eben beispielsweise, wie bei diesem Chatbot an der IU, da werden ja auch die Skripte verarbeitet.

Christian: Also Datenschutz ist eine Sache, die dann viele beschäftigt, aber Sie hätten schon gesagt, das kann man auch so ein bisschen vorwegnehmen, indem man die Daten dann sozusagen auch offen macht in dem Sinne, dass jeder auch seine Daten sieht. Privatsphäre ist eine Sache, über die sich viele dann eben Sorgen machen. Aber ich habe noch ein paar andere Punkte, und ich würde die jetzt einfach mal schlagartig nennen. Vielleicht sagen Sie mir dann einfach, was Ihnen dazu einfällt. Arbeitsplatzverlust wäre ein Punkt, weil die KI zukünftig die Arbeitsplätze wegnimmt, oder vielleicht auch in der Lehre, weil eben ganz viele Menschen dann ihre Fragen an die KI stellen, da sind vielleicht in manchen Bereichen gar keine Tutoren oder Tutorinnen mehr nötig. Ist das etwas, wovor man auch an Hochschulen irgendwie so ein bisschen Angst hat?

Bils: Ich habe vor kurzem im Rahmen einer Veranstaltung mal gehört, man sollte nicht davor Angst haben, dass die KI einem Arbeitsplätze wegnimmt, sondern die Leute, die gut mit KI umgehen können, beziehungsweise der Umgang mit KI wird einfach das Wichtige sein. Ich sehe im Moment nicht, dass es eine Arbeitsplatzgefährdung ist, weil ich glaube, es wird immer wieder andere Jobs geben, die dann darauf aufbauen und die man dann in der Zukunft braucht, die wir vielleicht jetzt noch gar nicht wissen. Und ich glaube, gerade so interpretative und ergänzende, erklärende sozusagen menschliche Faktoren wird es verstärkt immer geben müssen. Was glaube ich wegfällt, sind viele so Jobs, die so fließbandartig irgendwie sind, die sowieso eigentlich keinen Spaß machen. Das ist vielleicht erstmal schmerzhaft im ersten Moment, aber da passt sich unser Bildungssystem ja momentan auch stark an, eben dass man dann gerade solchen Leuten, bei denen dann vielleicht der Job aus so einem Grund wegfällt, ganz schnell neue Möglichkeiten bietet, sich weiterzubilden, sich umzuschulen und so weiter und neue Dinge eben zu lernen. Also ich sehe das auch gerade im Hochschulbereich jetzt überhaupt nicht als Gefahr in dem Sinne, dass da jetzt große Arbeitsplätze wegfallen.

Christian: Ich nenne noch einen anderen Punkt: Technologieabhängigkeit.

Bils: Ja, das ist natürlich was, was uns sehr beschäftigt. Die Frage hat ja schon im Prinzip angefangen, als es um Videokonferenztools und dergleichen ging, Tools zum kollaborativen Arbeiten. Das ist ja eigentlich immer das, was wir ständig reflektieren müssen, auch als Hochschulen, weil letztendlich natürlich für uns auch immer das Finanzielle dahinter steckt. Also wie sehr begibt man sich jetzt in die Hände eines Anbieters, und wann wird dann da die Lizenzschraube gedreht?

Bils: Das ist was, was natürlich auch im Hinblick auf Verlässlichkeit eine Rolle spielt. Wir wollen natürlich den Studierenden gegenüber auch verlässlich sein und sagen, okay, wenn du jetzt hier angefangen hast und studierst in zwei Jahren noch bei uns, was wir immer hoffen, dass das Studium gut gestartet wurde und man erfolgreich durchs Studium kommt, dass man dann auch immer noch auf die gleichen Tools zurückgreifen kann, plus vielleicht das, was noch zukünftig dazu kommt. Aber wir haben natürlich immer auch die Situation, dass man mal was abkündigen muss, weil man sagt, der Anbieter hat jetzt tatsächlich die Schraube gedreht und es ist zu teuer geworden. Und dennoch muss man als Hochschule ja trotzdem sagen, man ist ja dafür hier, um Bildungsprobleme anzugehen. Und deswegen muss eigentlich immer die Technik das didaktische Konzept stützen und nicht das didaktische Konzept auf die Technik aufgebaut sein, wenngleich das natürlich in einem gewissen Zusammenhang steht.

Christian: Ja, ich denke, die Abhängigkeit, das geht auch so ein bisschen in die Richtung, dass viele Menschen Bedenken haben, dass man eben bestimmte Dinge nicht mehr so richtig kann, weil man irgendwie abhängig ist von der Technologie. Also Google Maps ist so ein Beispiel oder so eine Kartennavigation, viele Menschen verlernen dann, sich ohne so eine elektronische Karte irgendwie durch Städte oder durchs Land zu navigieren. Aber meiner Meinung nach ist es sicherlich so, ich kann jetzt keine normale Karte mehr lesen, auf Papier gedruckt, oder natürlich kann ich die lesen, aber ich würde wahrscheinlich nicht so schnell zu meinem Ziel kommen wie mit einer GPS-Navigation. Aber ich glaube, ich könnte es auch ziemlich schnell wieder lernen, wenn es notwendig wäre. Und ich glaube, so ähnlich ist es auch mit ChatGPT. Das ist jetzt für mich auch eine Gewohnheit, das im Alltag zu benutzen und mir viele Arbeitsschritte zu erleichtern. Und ich verlerne sicherlich auch das eine oder andere, aber ich lerne das auch ganz schnell wieder.

Bils: Ja genau, und die Frage ist auch einfach aufgrund der Schnelllebigkeit, wann ist das auch schon wieder was, wo wir vielleicht schon in paar Monaten sagen, ach, damals ChatGPT, das waren ja die ersten Schrittchen, und inzwischen ist man schon wieder noch viel weiter.

Christian: Ja, zwei Punkte hätte ich noch. Der erste wäre Kosten. Herr Biederbeck, da hatten Sie jetzt schon ein bisschen was dazu gesagt. KI kostet ja auch in dem Sinne, es erfordert eben sehr viel Rechenkapazität. Ist es auch ein Thema an der FernUni Hagen?

Biederbeck: Ja, tatsächlich haben wir bei uns im Zentrum für Lernen und Innovation selbst auch ein Projekt zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung, und genau das ist natürlich da etwas, was auch thematisiert wird. Wie kann man sich jetzt diesen Tools einerseits aufgeschlossen zeigen und sie nutzen, aber andererseits auch immer im Blick haben, nicht nur, was kostet jetzt eine Lizenz, sondern was hat es dann für gesamtgesellschaftliche Kosten, wenn ich jetzt ständig Prompts da reinhaue und Rechenleistung weltweit durch die Decke geht? Da haben wir jetzt natürlich keine Antwort drauf, das wäre auch verwunderlich, wenn es so wäre. Aber das ist schon etwas, was uns auch selber im ZLI beschäftigt, und die beiden Kolleginnen und Kollegen, die da arbeiten, auch immer wieder in die Diskussion so mit reinbringen und so ein bisschen mahnen, dass man das bei aller Euphorie und bei allem, was man sagt, ausprobieren möchte, auch mit im Blick hält.

Bils: Ich denke, das ist nur zu gerechtfertigt. Und natürlich kann man immer noch sagen, dass gerade der Gedanke von Hochschulkooperation auch immer noch ein super aktueller ist, also dass man sagt, infrastrukturell zum Beispiel muss nicht jede Hochschule alles alleine vorhalten, sondern man kann gerade in NRW, wo sehr viele Hochschulen in der Nähe sind, auch da Kooperationen machen und Rechenzentren teilen. Mir ist jetzt kein Fall bekannt, wo das schon aktiv so gemacht wird, aber das wäre auf jeden Fall was, wo man zukünftig auch noch mal drüber nachdenken könnte.

Christian: Allerletzter Punkt, auch etwas, wo einige Menschen glaube ich Bedenken haben: Nimmt die Qualität der Lehre irgendwie ab durch KI? Also wir hatten schon das Thema mit den Fragen, die dann eben an die Skripte gestellt werden können, die wahrscheinlich nicht immer so gut sind, wie sie jetzt eine Lehrkraft, ein Tutor, eine Tutorin beantworten würde. Ist das ein Bedenken, und kann man dem irgendwie entgegentreten?

Bils: Es gibt ja lustigerweise das Phänomen, dass man sagt, ChatGPT wird jetzt immer dümmer, weil die Texte, aus denen ChatGPT wieder Texte generiert, auch schon wieder KI-generiert sind, und insofern sich das quasi selbst verlernt. Ich glaube, im Hochschulbereich müssen wir uns über die Qualität nicht die Sorgen machen aufgrund von KI, weil es glaube ich dann eher zur Verbesserung noch mal beiträgt, zum Beispiel indem man Daten hat über die relevanten Aspekte. Und weil es halt immer natürlich eine menschliche Draufsicht braucht. Ich weiß nicht, André, hast du da noch mal andere Ideen zu?

Biederbeck: Ich würde jetzt sagen, es ist nicht was, wo ich mir jetzt total Sorgen drüber mache, weil man sicher grundsätzlich die Qualität immer, immer wieder als ganz große Prämisse angucken muss. Also ich persönlich würde jetzt mal als Historiker sprechen und da gelassen sein. Denn bei allem, was man so an Disruptionen gesehen hat im Bildungsbereich in den letzten Jahrhunderten, um jetzt den weiten Blick mal zu machen, kann man nicht behaupten, dass die Menschheit irgendwie dümmer geworden wäre. Im Gegenteil. Es mag irgendwann vielleicht einen Kipppunkt geben, wo das dann in die andere Richtung geht, kann sein. Aber ich würde das jetzt erstmal gelassen sehen und sagen, es gibt immer intelligente Menschen, die sagen, ich lasse mich nicht von der Maschine in meinem Denken beeinflussen.

Biederbeck: Und ich glaube, dafür ist da natürlich auch der akademische Bereich. Der ist ja auch dafür da, dass man eben nicht Informationen sich nur aus dem Internet zieht. Das könnte man auch, ohne dass man studiert. Sondern es geht ja darum zu reflektieren, sich mit anderen auszutauschen, die eigene Lösung noch mal zu überdenken und dann zu einer Meinungsbildung zu kommen, die datengestützt ist, die validiert ist oder die diskutiert ist. Und es geht eben nicht nur darum, sich alle möglichen Informationen einfach nur irgendwo herzuholen. Weil dann bräuchte man nicht studieren, darum, das ist ja eben nicht der Sinn.

Christian: Ja super, ich glaube, da haben wir zwei Schlussworte von Ihnen noch zu diesem Thema. Also ich danke Ihnen herzlich für die Teilnahme an diesem Gespräch, auch für die Diskussion jetzt noch mal zum Thema KI zum Schluss. Für unsere Zuhörer, die mehr über die FernUni Hagen lernen und wissen möchten: Wir verlinken natürlich die FernUni und alle möglichen relevanten Informationen in den Shownotes für diesen Podcast. Und ja, herzlichen Dank Ihnen beiden und noch einen schönen Tag!

Bils: Vielen, vielen Dank, Herr Serrano, gerne!

Biederbeck: Vielen Dank!

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